| Aneurysma |
Annett's
Geschichte
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Aus der Sicht meiner
Frau
Teil 1 |
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Ein
Tag, der unser Leben noch heute prägt ...
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Der
Zucciniauflauf brodelt in der Röhre, 19:30 Uhr, Hartwig verspätet sich selten,
nie ohne anzurufen, wo bleibt er denn?! Gegen 22.00 Uhr soll der Zug Hartwig
nach Friedrichshafen zum Geschäftstermin bringen. Maya quengelt, ist müde und
hungrig, wir essen immer gemeinsam zu Abend ...
Auf
dem Handy geht wiederholt die Mailbox an, im Büro meldet sich niemand, gegen
21:30 Uhr schnalle ich Maya in den Baby-Björn, der Abend ist warm, zum Büro
sind es 15 min. schnellgelaufen zu Fuß, ich sehe an den Fenstern das die
Rechner noch laufen, von Hartwig keine Spur, wir fahren mit dem Taxi zum Bahnhof
Zoo, suchen – laufen umher, Ratlosigkeit, fahre zum Simulator, hier war
mittags ein Termin, schaue ob Hartwigs Fahrrad irgendwo steht – nix.
Zurück
in die Wohnung, die benachbarte Freundin Anke angerufen, diese kommt vorbei und
kann auf Maya aufpassen, ein Glück, ich muss sie schlafen legen, das
umhertragen ist zu anstrengend für uns beide, meine Nervosität steigt
sichtlich, ich mache mich weiter allein auf die Suche, weiß nicht wo, laufe die
Straßen auf und ab – nix, meine Eltern kommen, habe sie angerufen, alle
Berliner Kliniken, die Feuerwehr angerufen, keine Neuaufnahme, keine Info ....
WO IST HARTWIG???? – Bringe Anke mitternachts heim, wir schauen in jede Ecke,
ob Hartwig doch noch auftaucht – nix , Meine Eltern fahren heim, können jetzt
eh nicht für mich tun – ich sitze im Bett, höre Mayas ruhige Atemzüge und
bin leer und voller Unruhe gleichzeitig. WAS IST HIER LOS?
Ok,
es war in der letzten Zeit turbulent, hier und da mal Meinungsverschiedenheiten,
aber wer hat die nicht, nichts von Bedeutung, dachte ich ..., gibt es eine
ANDERE? In der Firma läuft es momentan nicht so gut, ist es vielleicht
schlimmer, haben wir jeh intensiv darüber geredet? Er wird doch nicht...?! Die
geplante Hochzeit wird auch nicht mehr angesprochen, bekommt Hartwig kalte Füße
...? Fragen, Fragen und doch keine Antwort, es wird Morgen, es klingelt an der Tür
– habe ich geschlafen, ich weiß es nicht, egal ich renne zur Tür, hoffe
Hartwig steht vor mir, hat den Schlüssel verloren oder ist sturzbetrunken oder
....
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| 15.02.2008 |
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Aus der Sicht meiner
Frau
Teil 2 |
| Kurzer
Rückblick |
Dezember
2003
Auf
einer Betriebsweihnachtsfeier lernten wir uns näher
kennen und verliebten uns in einander, Silvester
verbrachten wir gemeinsam, zwei Wochen später waren wir
uns einig gemeinsam ein Kind zu wollen, eine Woche später
zog Hartwig bei mir ein. Kann es Liebe sein .....
JAAAAAA
April
2004
Hartwigs
Geburtstagsgeschenk – das erste Ultraschallbild
unseres Kindes – ca. 6 Wochen alt :o)
Juni
2004
Umzug
in unsere gemeinsame Wohnung – („wir schauen uns
beide an, uns wissen, das ist es – unser Nest“)
November
2004
Die
Geburt wird frühzeitig eingeleitet, da es Probleme gibt,
Hartwig unterbricht seine Geschäftsreise, nimmt den
Nachtzug, kommt morgens direkt in den Kreissaal - per
Kaiserschnitt wird unsere bezaubernde Tochter Maya
Sophie geboren.
Maya
hat ein Loch im Herzen und eine Lungenentzündung,
ihre
ersten drei Lebenswochen verbringen wir mit ihr in der
Berliner Charité auf der Intensivstation - zum
Weihnachtfest dürfen wir sie mit Heim nehmen.
Juli
2005
Der
Kinderkardiologe teilt uns mit, dass Mayas Loch im
Herzen (wider Erwarten) doch allein zugewachsen ist –
wir sind überglücklich und können unser Glück kaum
fassen (zurück
bleibt eine Lungen-Venen-Fehlmündung, die beobachtet
werden muss, aber momentan keine Beeinträchtigung mit
sich bringt)
...
es folgt eine entspannte Zeit, die wir sehr geniessen,
heiße Sommernächte, wir übernachten oft auf der
Terrasse wie Camper ... viel Arbeit bei Hartwig
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| 16.02.2008 |
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Aus der Sicht meiner
Frau
Teil 3 |
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weiter zum Geschehen |
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12.
August 2005
Die
andere Stimme an der Fernsprechanlage stellt sich als
Polizist vor, schnaufend schimpft er vor sich hin, als er
die 106 Stufen zu unserer Wohnung erklommen hat, wie lange
dauert das denn ......
„Morjen,
vermissen Sie wen?“. Ich zittere, freu mich, ja, ja
- raus mit der Sprache, denke ich. Der Polizist
schaut mich an immer noch schimpfend, wie man am frühen
Morgen schon so gestraft werden muss mit unzähligen
Stufen. „Herr Distler ist im Virchow Klinikum, hier ist
die Telefonnummer“. „Was ist passiert?“ möchte ich
wissen. „Da ist die Nummer, rufen Sie an, wenn Sie was
wissen wollen, ich weiß nichts“, das war´s, er ist auf
dem Weg nach unten. Zitternd wähle ich die Nummer, die
Dame auf der Station meint ich solle schnellstmöglich
kommen, Gehirnblutung, Sturz vom Fahrrad, Unterschenkel
Fraktur, Koma, gestern
...... ich nehme alles
in mir auf, aber begreife es nicht. Ich muss mich
übergeben.
Maya schläft noch immer, glücklicher nichts wissender
kleiner Fratz, rufe meine Eltern an, sie wollen gleich
nach dem Frühstück kommen, ok anziehen, Mayas Flasche
vorbereiten, Windeln, frische Sachen, wie lange werde ich
fort sein, sie war noch nie lange ohne mich, geht das gut
– habe ich keine andere Wahl, endlich sind meine Eltern
da, ich renne die Stufen hinunter, das Taxi wartet, selbst
kann ich nicht fahren, heule die ganze Fahrt und
nerve die Fahrerin, ob es nicht schneller geht (morgendlicher
Berufsverkehr), endlich da, ich muss warten, dann holt
mich eine Ärztin ab.
„Bitte wo ist
Hartwig?“, „Einen
Augenblick“. Sie
nimmt mich zur Seite,„Sie
sind nicht verheiratet, haben Sie eine Verfügung?“.
„Nein was ist das denn, wir haben eine Tochter, ein
halbes Jahr alt“.
„Eine Patientenverfügung,
Vollmachten für die Bank etc., können Sie eigenständig
leben? Ihr Mann wird in nächster Zeit nichts für Sie tun
können, wenn überhaupt....“. „Was ist denn überhaupt
los, ich möchte zu meinem Mann, stammle ich und heule
wieder los. „Ok ich regle das für Sie, geben Sie mir
Ihre Papiere“. Ich bringe Sie nun zu Herrn Distler, Sie
sollten aber mit dem Schlimmsten rechnen.
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17.02.2008
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Aus der Sicht meiner
Frau
Teil 4 |
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Da
liegt er, der Kopf kahl geschoren, man sieht dass der Schädel
an mehreren Stellen geöffnet wurde, alles Blut verkrustet
und gelb vom Jod und wieder diese Schläuche, diese großen
Apparate an der Wand mit allen Frequenzen (... wie bei
Maya – hört das denn nie auf), aber, ich bin auch glücklich
und erleichtert, hier liegt er, der Mann, den ich so liebe,
so vermisst habe, der Vater meiner Tochter, dieser so
wertvolle wichtige Mensch, wie konnte ich zweifeln, ich
nehme seine Hand, spreche leise, frage, lache, weine,
streiche über sein Gesicht, ein Glück, Du lebst, Du hast
uns nicht verlassen und wir schaffen das schon und was ist
passiert und alles wirr durcheinander, erzähle und frage
ich ihn, keine Antwort, aber egal, er lebt, er lebt, er
lebt....
Die Schwester
kommt, fragt mir Löcher in den Bauch, Allergien,
Medikamente, Lieblingsspeise (was soll denn der Blödsinn)
Vorgeschichte, etc.... was weiß ich eigentlich von
Hartwig?, Was hat es mit der Geschichte von vor mehr als
zehn Jahren in Würzburg auf sich, das Jahr bei seinen
Eltern mit diesen Angstzuständen, er hat ansatzweise darüber
gesprochen, aber mein Kopf ist leer. Wie ging es ihm in
den letzten Wochen, gesagt hat er immer gut, aber von dem
Sturz vom Fahrrad, wo ihm eine Frau hineingelaufen ist,
hab ich auch erst Tage später erfahren, von den Problemen
in der Firma auch – die kurze Zeit in den Abendstunden
haben wir genutzt, zu Abend zu essen, dann hab ich wie
immer geplappert, über Maya und den Tag und ..... ich
glaub, ich hab auch nie eine richtige Antwort bekommen,
wenn es ins Detail ging über Sachen die Hartwigs Person
oder Firma betrafen. Und dann ist er wieder in sein Büro
gegangen, wo er bis spät in die Nacht gearbeitet hat und
im Morgengrauen wieder damit begonnen hat, bis wir eine
Tasse Kaffee tranken, er Maya wickelte, während ich sein
Brot vorbereitete und er sogleich ins externe Büro ging.
(Schade, denke
ich heute sehr oft, wie wenig wir uns kennen und uns Zeit
nehmen uns kennen zu lernen, damals wie auch heute
.....!!!!!!!)
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| 18.02.2008 |
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Aus der Sicht meiner
Frau
Teil 5 |
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Ok,
die Ärztin kommt, sie habe beim Amtsgericht alles in die
Wege geleitet, damit ich eine Betreuung bekomme und alle
Sachen mit der Firma regeln kann und auch sonst alle Wege,
die uns gemeinsam betreffen, sie drückt mir
die Daumen das es klappt. Was ist denn nun passiert, und
was wird es weiter gehen? Wie geht es meinem Mann (hab von Hartwig
immer „von meinem Mann“ gesprochen“), sie erklärt
mir das Krankheitsbild, über den weiteren Verlauf kann
man gar nichts sagen, das wird die Zeit bringen, ich
verstehe gar nichts, Blutung im Kopf, da muss doch was zu
machen sein, was macht meine Maya, geht zu Hause alles
klar, aber hier kann ich nicht weg, aber nach Hause muss
ich auch ...
Ich danke ihr,
habe ich wirklich danke gesagt, ich weiss nicht, was mache
ich denn jetzt, gehe wieder wieder zu Hartwig, nein jetzt können
sie nicht mehr ins Zimmer, er wird gleich wieder
untersucht, aber ich nerve sie, komme noch einmal kurz
rein, drücke meinen Kopf in seine Hand, ganz weiss ist
diese und riecht nach Krankenhaus , er riecht nach
Krankenhaus so fremd, so anders, er ist so unruhig und ich
möchte so vieles sagen und ich sage immer wieder, das
wird wieder, alles wird gut, alles wird gut ....
Einen großen
innigen Dank an all die lieben Menschen, die um uns
besorgt waren und es noch immer sind und die uns so oft
sie nur konnten, helfend zur Seite standen, --insbesondere
Dank unseren lieben Eltern!--
...
unseren Bruder- Schwesterfamilien, all unseren Freunden!!!
Vergessen
möchte ich nicht all die Ärzte, die gute Arbeit
geleistet haben, die Pflegekräfte, die Erstversorgung,
derjenige Mensch, der so schnell Hilfe geholt hat, und den
lieben Gott, der das seine dazu getan hat.
Danke,
kleine Maya für „Dein Verständnis in tränenreichen
Tagen, die Du noch nicht verstehen konntest“ und danke
mein lieber Mann, für Deine stetige positive Einstellung,
deinen harten Willen, deine Kraft und vor allem dafür,
dass Du nie gejammert oder Dich beklagt hast, ich bin sehr
stolz auf Dich und was Du geschafft hast.
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