Experten gehen davon aus, dass etwa eine Million Menschen in Deutschland mit einer tickenden Zeitbombe leben ohne es zu wissen: dem Aneurysma. Dabei handelt es sich um eine örtlich begrenzte Erweiterung einer Arterie – häufig im Kopf oder an der Aorta. Je nach Lage und Größe eines Aneurysmas kann diese Gefäßerweiterung ein lebensbedrohliches Risiko darstellen.

Was genau ist ein Aneurysma?

Um genau zu verstehen was ein Aneurysma ist und wieso es eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellen kann, ist es wichtig den Aufbau eines gesunden Gefäßes zu kennen. Vom Herzen aus wird der gesamte Körper wird von den Arterien mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Die Arterienwand besteht aus drei Gefäßschichten. Die Außenschicht, die sogenannte Tunica externa, festigt das Blutgefäß und fixiert es in seine Umgebung. Weiter innen liegt die Tunica media, oft auch nur Media genannt, die aus glatten Muskelzellen und elastische Fasern besteht. Die Tunica media reguliert den Durchmesser des Gefäßes und somit den Blutdruck. Die dritte Schicht heißt Tunica intima, oft kurz als Intima bezeichnet. Angrenzend am Hohlraum des Gefäßes ist sie mit einer glatten Schicht von sogenannten Endothelzellen ausgekleidet. Die Endothelzellen haben unter anderem die Aufgabe bei Infektionen Antikörper anzulocken oder bei Gefäßschäden die Blutgerinnung einzuleiten.
Aneurysma Gehirn OP.Titan-Clipp
Ein Aneurysma ist eine dauerhafte Aussackung der Arterie in einem begrenzten Gefäßabschnitt. Der Durchmesser des Blutgefäßes wird dabei oft mehr als verdoppelt. Dadurch erhöht sich die Wandspannung um ein Vielfaches – und damit die Gefahr des Zerreißens, der sogenannten Ruptur. Oft ist die Auswölbung sack- oder spindelförmig. Ein Aneurysma kann sowohl angeboren oder durch erworbene Gefäßwandveränderungen erst später im Leben entstanden sein. Auch können mehrere Aneurysmen an verschiedenen Stellen gleichzeitig vorliegen. Nachfolgende Formen können unterschieden werden:

– Beim „echten Aneurysma“, dem sogenannten Aneurysma verum, stülpen die drei Wandschichten (Tunica externa, Tunica media und die Tunica intima) der Arterie nach außen hin aus. Häufig ist es die Folge einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Deshalb tritt ein Aneurysma verum überwiegend bei Männern über 50 Jahren und bei Patienten mit Bluthochdruck auf.

– Ein Aneurysma spurium entsteht durch einen Riss, der sich die Tunica media und Tunica intima zieht, wobei die Tunica externa intakt bleibt. Dieser Riss geht häufig auf eine stumpfe oder eine scharfe Verletzung zurück. Dabei bildet sich im umgebenden Gewebe ein Hämatom. Ein Aneurysma spurium ist zumeist eine unerwünschte Komplikation nach Gefäßeingriffen, wie zum Beispiel einer Herzkatheteruntersuchung.

– Wenn die Wandschichten im Bereich der Tunica media aufgespalten sind, spricht man von einem Aneurysma dissecans. Es handelt sich dabei nicht um ein Aneurysma im engeren Sinne, denn das Gefäß wird nicht erheblich erweitert. Bei einem Aneurysma dissecans bildet sich neben dem Gefäßschlauch ein weiterer Hohlraum innerhalb der Tunica media.

Die Folgen eines Aneurysmas

Je größer eine Aneurysma ist, desto höher ist die Gefahr, dass es reißt. Bei einer Ruptur droht, abhängig von dessen Lage, die innere Verblutung. Innerhalb von Aneurysmen bilden sich zudem meist Blutgerinnsel, sogenannte Thromben. Diese Thromben können sich lösen, mit dem Blutstrom an andere Stellen im Körper wandern und dort zu Gefäßverschlüssen (Thrombosen) führen. Bei einem Aneurysma dissecans kann Blut in den Hohlraum innerhalb der Tunica media gelangen und dadurch die natürliche Gefäßöffnung so stark zusammendrücken, dass es zu Durchblutungsstörungen, Nierenschäden oder einem Schlaganfall kommen kann.

Prophylaxe

Gegen Aneurysmen gibt es keine Prophylaxe im engeren Sinne.

Da diese jedoch oft infolge von Arterienverkalkung oder Bluthochdruck entstehen, dient eine Prophylaxe gegen diese Konditionen indirekt auch einer Vorbeugung gegen viele Aneurysmen. Als Risikofaktoren wären in diesem Zusammenhang besonders Übergewichtigkeit, Rauchen, ungesunde Ernährung und mangelnde körperliche Bewegung zu nennen.

Die meisten Betroffene wissen nicht, dass sie ein Aneurysma haben. Bisher werden Sie zumeist durch Zufall bei einem Arztbesuch entdeckt. Durch gezieltes Screening würden weitaus mehr gefährliche Gefäßerweiterungen frühzeitig entdeckt werden – bevor es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommt.

Diagnose von einem Aneurysma

Meistens verursacht ein Aneurysma zunächst keinerlei Beschwerden. Erst wenn die Erweiterung so stark fortgeschritten ist, dass das Blutgefäß auf innere Organe drückt, treten unter Umständen Symptome auf. Befindet es sich im Brustraum, kann das zum Beispiel zu Schluckbeschwerden, Husten, Heiserkeit, Atembeschwerden oder Durchblutungsstörungen in den Armen führen. Viele Aneurysmen entwickeln sich jedoch symptomlos und bleiben daher unentdeckt, da sich der Patient subjektiv gesund fühlt.

Die am häufigsten auftretende Variante ist das Aortenaneurysma der sogenannten Bauchaorta im unteren Bereich der Hauptschlagader. Es macht mehr als 90 Prozent von allen Aneurysmaerkrankungen aus, wobei mehr Männer als Frauen betroffen sind. Bei schlanken Patienten kann eine solche Gefäßerweiterung relativ einfach in Bereich des Mittelbauches ertastet werden. Im Rahmen der apparativen Diagnostik kommt bei der Untersuchung beschwerdefreier Betroffenen hauptsächlich die Ultraschall-Sonographie zum Einsatz. Zur genaueren bildlichen Darstellung eines Aneurysmas und der Bestimmung weiterer Faktoren, wie zum Beispiel die Beschaffenheit der Gefäßwand, wird meistes die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie eingesetzt. Eine weitere Möglichkeit der Diagnose ist die bildliche Darstellung der Gefäße durch eine Angiographie. Dabei wird meist ein Kontrastmittel in das Blutgefäß injiziert.

Therapie bei einem Aneurysma

Ein kleineres Aneurysma benötigt oft keine Therapie wenn die Spannung der Gefäßwand oder seine Lage eine Ruptur unwahrscheinlich macht. Eine Operation wird dann erwogen, wenn Beschwerden auftreten, oder wenn es sich um besonders große Aneurysmen handelt, wenn die Aussackung bei regelmäßigen Verlaufskontrollen eine Tendenz zur Vergrößerung zeigt, ebenso wenn die Lage einen Einriss begünstigt. So wird ein Aortenaneurysma im Bereich des Mittelbauches in der Regel erst ab einer Größe von etwa fünf Zentimetern operiert. Bei einer Aneurysmaoperation wird der ausgeweitete Teil des Gefäßes aufgeschnitten beziehungsweise entfernt und durch eine Kunststoffprothese ersetzt.

In einigen Fällen kann als Alternative der minimal-invasiven Medizin ein Katheter von der Leiste in die betroffene Arterie geschoben werden. Dabei wird über den Katheter eine zusammengeklappte Gefäßprothese durch das Blutgefäß an die geweitete Stelle eingebracht und dort entfaltet. Bei Aneurysmen im Gehirn wird bei der Behandlung mittels Katheter eine besonders dünne Mikrospirale eingeführt wird, die die Gefäßerweiterung vom Blutfluss ausschließt.

In jedem Fall richtet sich die Wahl des Behandlungsverfahrens nach der Form und Ausdehnung des Aneurysmas sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten.